Historisches

Geschichte der "Mirage“

1968 wurde auf der "Goldküstenlinie" Rapperswil-Meilen-Zürich der erste S-Bahn-ähnlich Betrieb in der Schweiz eingeführt. Dazu gehörte - ebenfalls ein Novum - ein Taktfahrplan (Halbstundentakt) sowie Triebzüge, welche durch ihr Beschleunigungsvermögen attraktive Fahrzeiten einhalten konnten.
Bei diesen Triebzügen handelte es sich um zwanzig weinrote RABDe 12/12. 1976 wurden dann zur Verstärkung vier gelb-violette RABDe 8/16 "Chiquita" in Betrieb genommen, welche aber nie überzeugen konnten und schon 1997 ausrangiert und 1998 abgebrochen wurden.
Die weinroten RABDe 12/12 erhielten wegen ihres grossen Beschleunigungsvermögens (sämtliche Achsen des Zuges waren angetrieben) oder wegen ihrer Geräuschkulisse den Übernamen "Mirage" - dies in Anlehnung an die zu dieser Zeit für die Schweizer Luftwaffe beschafften Kampfjets (Mirage III C von Dassault). Wegen ihres Haupt-Einsatzgebiets auf der Strecke entlang dem rechten Zürichseeufer wurden die Züge auch "Goldküstenexpress" genannt.
Nach einer gewissen Zeit tauchten die Züge auch auf weiteren Relationen wie z.B. Rapperswil-Ziegelbrücke-Linthal oder Rapperswil-Uster-Zürich auf. Weiter wurden sie auch als "Badezug" resp. "Studenlandpfeil" ab Zürich über Eglisau nach (Bad) Zurzach eingesetzt.
1982 wurde auf dem gesamten SBB-Netz der Taktfahrplan eingeführt und 1989 erfolgte der Start der eigentlichen S-Bahn Zürich. Die "Mirage" erhielten ab 1996 eine Totalrevision R4, um sie weiterhin im Zürcher S-Bahn-Netz einsetzen zu können.
Neben steuerungstechnischen Änderungen wurden sie auch äusserlich an das damalige Nahverkehrs-Farbschema (blau-steingrau) angepasst und erhielten gelbe Aussenschwingtüren.
Nach zehn weiteren Jahren zeigte sich, dass die Züge nicht mehr den steigenden Komfortansprüchen der Fahrgäste entsprechen konnten. Die fehlende Klimatisierung und auch der "spezielle" Geruch, der sich jeweils beim Bremsen ausbreitete, fielen immer negativer auf. 2008 erfolgte deshalb die Abstellung der Züge, wobei diese zuerst in Schaffhausen und später in Olten gesammelt wurden. Ab dort wurden sie sukzessive nach Waldibrücke überführt, wo sie den "Weg des alten Eisens" gingen. 2010 wurde die letzte "Mirage" verschrottet".


Eine "Mirage" für den DSF

Die Triebzüge RABDe 12/12 galten als erste S-Bahn-Züge der Schweiz. Somit nahmen sie eine wichtige Stellung in der Schweizer Schienenfahrzeug-Geschichte ein. Aber auch ihr Äusseres mit der eleganten, runden Front und dem weinroten Anstrich, sowie ihr enormes Beschleunigungsvermögen, gepaart mit dem Heulen der zwölf Antriebmotoren pro Zug machten aus der "Mirage" alles andere als ein unscheinbares "Mauerblüemli".
Beim DSF kam man aus den obenstehenden Gründen und durch die Einsätze der Mirage als „Studenlandpfeil“ im unteren Aaretal zum Schluss, dass ein solcher Zug erhalten werden müsste. Zwar passte ein dreiteiliger, fest-gekuppelter Triebzug nicht in das Betriebskonzept des Vereins. Es wurde aber vorgesehen, ein Erhaltungs- und Betriebs-Konzept zu erarbeiten und die notwendigen Geldquellen zu erschliessen, um ein Exemplar zu erhalten und in den klassischen, weinroten Zustand zurück zu versetzen. Aufgrund der verhältnismässig grossen Investitionen, der Ersatzteile und den Platzgründen hätte dieses Vorhaben nur mit einem starken Partner realisiert werden können. Dafür wäre die für solche Aufgaben vorgesehene Stiftung "Historisches Erbe der SBB" in Frage gekommen. Trotz guter Erfolgsaussichten war man zu dieser Zeit bei der Stiftung nicht am Erhalt einer "Mirage" interessiert. So wurde auch der letzte Zug verschrottet.
Dem DSF gelang es aber wenigstens, eine der markanten Fronten vom Zug RABDe 510 017-7 zu sichern und sie beim Lokdepot Koblenz abzustellen. Es ist längerfristig vorgesehen, die alten Türen wieder einzubauen und die Front in den alten weinroten Zustand als RABDe 12/12 1118 zurück zu versetzen. So sollen die letzten Überreste als Mirage-Denkmal an die ersten S-Bahn-Züge der Schweiz erinnern.

   

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